Werkzyklus LOSLASSEN – Teil 2
Ja, wir dürfen machmal Widerstand loslassen. Wir alle kennen ihn.
Diesen leisen oder manchmal auch lauten Widerstand gegen das, was gerade ist.
Er zeigt sich oft unbemerkt.
Eine lange Schlange an der Supermarktkasse.
Der Stau auf dem Weg zur Arbeit.
Der Zug hat Verspätung.
Der Regen am freien Wochenende.
Eine Bemerkung eines anderen Menschen, die uns nicht loslässt.
Oder die Angst, etwas nicht rechtzeitig zu schaffen.
In all diesen Momenten geschieht oft dasselbe:
Wir kämpfen innerlich gegen eine Realität, die längst eingetreten ist.
Und genau dieser Kampf kostet Kraft.
Nicht die Situation selbst erschöpft uns.
Sondern unser Widerstand gegen sie.
Was Widerstand bedeuetet:
Widerstand bedeutet, dass wir innerlich sagen:
„Das darf nicht sein.“
„Warum passiert das ausgerechnet mir?“
„So sollte es nicht laufen.“
Doch während wir kämpfen, läuft das Leben bereits weiter.
Der Stau verschwindet nicht schneller.
Die Schlange wird nicht kürzer.
Das Wetter ändert sich nicht.
Der andere Mensch wird seine Worte nicht zurücknehmen.
Und dennoch verbrauchen wir Energie.
Oft stundenlang.
Manchmal sogar über Wochen oder Jahre.
Widerstand loslassen: Akzeptanz bedeutet nicht, alles gutzuheißen.
Sie bedeutet auch nicht, aufzugeben.
Akzeptanz heißt vielmehr:
*Ich erkenne an, was jetzt gerade ist.*
Ich höre auf, gegen den gegenwärtigen Moment zu kämpfen.
Erst dann entsteht überhaupt die Freiheit zu entscheiden:
Was kann ich verändern?
Und was darf ich loslassen?
Denn nur wer die Wirklichkeit akzeptiert, kann sinnvoll handeln.
Alles andere bleibt ein Kampf gegen etwas, das bereits geschehen ist.
Vielleicht kennst du solche Situationen des Widerstands in Dir
Du ärgerst dich über den Verkehr.
Du regst dich über einen Kollegen auf.
Du machst dir Sorgen über ein Gespräch, das erst morgen stattfindet.
Oder du gehst immer wieder dieselbe Geschichte in Gedanken durch.
Der Körper reagiert jedes Mal, als würde sie gerade erneut passieren.
Dabei sitzt du vielleicht längst ruhig zu Hause.
Der Widerstand findet nicht im Außen statt.
Er findet in uns statt.
Widerstand loslassen beginnt deshalb oft nicht mit einer großen Entscheidung.
Sondern mit einem kleinen Satz.
„Es ist jetzt so.“
Nicht resigniert.
Nicht gleichgültig.
Sondern klar.
Aus dieser Klarheit entsteht Ruhe.
Und aus Ruhe entsteht Handlung.
Freiheiten in unserem Leben
Vielleicht liegt genau darin eine der größten Freiheiten unseres Lebens:
Nicht alles kontrollieren zu müssen.
Nicht gegen alles kämpfen zu müssen.
Nicht jede Situation persönlich zu nehmen.
Manches dürfen wir verändern.
Manches müssen wir annehmen.
Und manches dürfen wir einfach weiterziehen lassen.
Zitat zum Thema Widerstand loslassen
Zum Schluss erinnert mich ein Satz an diese Haltung, der seit vielen Jahren Menschen begleitet:
„Gott gebe mir Gelassenheit, hinzunehmen, was nicht zu ändern ist.
Mut, zu ändern, was ich ändern kann.
Und Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“*
– Reinhold Niebuhr
Vielleicht beginnt Loslassen genau dort.
Nicht, wenn sich die Welt verändert.
Sondern wenn wir aufhören, gegen sie zu kämpfen.
Merlinori Essays · Werkzyklus LOSLASSEN
Dieser Beitrag gehört einer Reihe zum Thema LOSLAASEN.
- Teil 1 – Die Kunst des Loslassens
Das Bild dazu findest Du hier: Bild #25 Loslassen - Teil 2 – Widerstand loslassen: Bild ist in Arbeit
- Teil 3 – Kontrolle loslassen (in Vorbereitung)
Was sind deine Gedanken zum Thema Widerstand loslassen?
Ich freue mich über deinen Kommentar.

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