LOSLASSEN
Du musst nichts mehr loslassen, wenn Du nichts mehr festhältst.
Die Kunst des Loslassens: Ein Wort, das leicht gesagt ist.
Und doch eines der schwierigsten Dinge überhaupt.
Denn oft merken wir gar nicht, woran wir festhalten.
An alten Gedanken.
An Verletzungen.
An Erwartungen.
An Menschen.
An Gewohnheiten.
An Vorstellungen davon, wie das Leben eigentlich sein sollte.
Vielleicht sogar an einer Version von uns selbst, die längst nicht mehr zu uns passt.
Auch ich durfte mich in letzter Zeit intensiv mit diesem Thema auseinandersetzen.
Nicht aus theoretischem Interesse.
Sondern, weil das Leben manchmal Fragen stellt, denen man nicht mehr ausweichen kann.
Und mitten in diesem Prozess kam plötzlich ein Gedanke zu mir:
„Du musst nichts mehr loslassen, wenn Du nichts mehr festhältst.“
Ein einfacher Satz.
Und doch steckt viel darin.
Denn vielleicht beginnt Loslassen nicht dort, wo wir etwas aktiv wegschieben oder überwinden wollen.
Vielleicht beginnt es viel früher.
Dort, wo wir erkennen, woran wir uns überhaupt klammern.
LOS [ LASSEN ]
Das Leben ist Wandel.
Entwicklung.
Transformation.
Nichts bleibt für immer.
Und vielleicht liegt gerade darin eine der größten Herausforderungen des Menschseins:
Dass wir versuchen festzuhalten, obwohl das Leben selbst längst in Bewegung ist.
Manchmal halten wir an Dingen fest, die uns längst nicht mehr guttun.
An Gedanken, die schwer geworden sind.
An alten Geschichten über uns selbst.
An Ängsten.
An Kontrolle.
Oder an dem Wunsch, dass alles anders sein müsste, als es gerade ist.
Doch je stärker wir festhalten, desto anstrengender wird es.
Vielleicht entsteht Leiden nicht nur durch das, was geschieht.
Sondern auch durch unseren Widerstand dagegen.
GE [ LASSEN ] HEIT
Das Wort Gelassenheit hat mich schon lange fasziniert.
Denn vielleicht steckt darin bereits eine stille Antwort.
Ge-lassen-heit.
Etwas lassen.
Nicht im Sinne von Aufgeben.
Sondern eher im Sinne von:
nicht ständig eingreifen müssen.
Nicht alles kontrollieren.
Nicht jeden Gedanken glauben.
Nicht jede Emotion bekämpfen.
Nicht jede Unsicherheit sofort lösen wollen.
Vielleicht bedeutet Gelassenheit manchmal einfach:
Einen Schritt zurückzutreten.
Zu beobachten.
Zu atmen.
Und für einen Moment anzuerkennen:
Es ist gerade so, wie es ist.
Nicht mehr.
Nicht weniger.
Die Kunst, Raum entstehen zu lassen
Ich glaube inzwischen:
Loslassen bedeutet nicht Verlust.
Zumindest nicht immer.
Manchmal bedeutet Loslassen auch:
Raum schaffen.
Raum für Ruhe.
Für Klarheit.
Für neue Gedanken.
Für etwas, das entstehen möchte.
Denn solange unsere Hände voll sind mit dem Alten, können wir das Neue kaum berühren.
Vielleicht ist das Leben darin sogar klüger als wir.
Vielleicht dürfen manche Dinge gehen, damit andere ihren Platz finden.
Auch wenn wir das oft erst später verstehen.
Die Kunst des Loslassens ist STILLE
Manchmal beginnt Loslassen in der Stille.
Nicht im Aktionismus.
Nicht in der nächsten Ablenkung.
Sondern genau dort, wo wir aufhören wegzulaufen.
Wo wir einen Moment innehalten.
Uns selbst zuhören.
Fragen:
Was halte ich eigentlich gerade fest?
Und:
Dient mir das noch?
Viele Antworten kommen nicht sofort.
Und manche Fragen brauchen Zeit.
Doch oft beginnt Veränderung genau dort:
In einem stillen Moment der Ehrlichkeit.
Vielleicht ist Loslassen ein Weg
Vielleicht ist Loslassen ohnehin kein einzelner Moment.
Vielleicht ist es eher ein Weg.
Ein leises Lernen.
Das Loslassen von Widerstand.
Von Kontrolle.
Von alten Geschichten.
Von Gewohnheiten, die längst nicht mehr tragen.
Und manchmal vielleicht auch:
das Loslassen der Vorstellung, alles verstehen zu müssen.
Darüber möchte ich in den kommenden Gedanken noch weiter schreiben.
Denn vielleicht ist Loslassen kein Ende.
Vielleicht ist es ein Anfang.
Merlinori Essays · Werkzyklus LOSLASSEN
Dieser Beitrag ist Teil eines fortlaufenden Werk- und Gedankenzyklus über Veränderung, Widerstand, Kontrolle, Stille, Gewohnheiten und die Kunst des Loslassens.
Weitere Gedanken und Werke aus dieser Reihe werden folgen.
Was sind deine Gedanken zum Thema Loslassen?
Ich freue mich über deinen Kommentar.
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