Manche Bilder entstehen so, wie man es sich vorher vorgestellt hat; und dann gibt es solche wie das Bild Kontrolle loslassen.
„Kontrolle loslassen“ war von Anfang an als Bild gedacht, in dessen Mitte ein meditierender Mensch sitzt – vollkommen ruhig, während um ihn herum das Leben vorbeirauscht. Eine Straßenschlucht, Autos, Menschen, Bäume, Licht, Bewegung. Ein ziemlich eindeutiges Bild für einen Zustand, den wir alle kennen: Die Welt hört nicht auf, sich zu bewegen, nur weil wir selbst einmal innehalten.
So weit die Idee.
Was daraus im Atelier wurde, war allerdings deutlich weniger geradlinig.
Bildinformationen
Status: Original verfügbar 🟢
Technik: Acryl auf Leinwand
Größe: 80 x 50 cm
Entstehungsjahr: August bis September 2026
Signiert: Ja
Erst einmal: eine Straße
Der Anfang war die Stadt. Gebäude, Straßenschlucht, Perspektive, Licht.
Und ziemlich schnell zeigte sich das erste Problem: Ich hatte die Straße angelegt – und dabei tatsächlich die Bürgersteige vergessen.
Also musste nachgebessert werden.
Das klingt nach einer Kleinigkeit. Beim Malen bedeutet eine solche Kleinigkeit allerdings schnell: Proportionen überprüfen, Perspektiven korrigieren, Flächen neu definieren und hoffen, dass die Korrektur am Ende nicht nach Korrektur aussieht.
Genau solche Momente gab es bei diesem Bild einige.
Auch der Bus wurde zu einer kleinen Herausforderung. Er sollte weiter hinten auf der Straße stehen, ohne plötzlich wie ein Fahrzeug auf dem Weg zu einer höheren Bewusstseinsebene auszusehen. Die „Stairway to Heaven“-Ecken, wie wir sie irgendwann genannt haben, mussten entschärft werden.
Und irgendwann war klar: Das Bild würde nicht dadurch besser werden, dass alles perfekt und glatt aussieht.
Es durfte seine Spuren behalten.
Dann kam Bewegung ins Bild
Autos kamen hinzu.
Ein blaues Fahrzeug links vorne. Ein silberner Porsche auf der rechten Seite. Ein grünes Auto weiter hinten. Und schließlich das gelbe Taxi.
Der Bus bekam sein dezentes Blau-Grau.
Menschen tauchten auf den Bürgersteigen auf. Andere gingen über die Straße.
Und irgendwann fehlte mir noch genau eine Figur.
Neun Menschen sollten es sein.
Also kam eine kleine Gestalt in Ocker und Burnt Sienna dazu, die einfach mitten durch die Straße geht.
Nicht auf dem Zebrastreifen.
Warum auch?
Das Bild begann damit immer mehr zu dem zu werden, was es eigentlich erzählen wollte: Alles bewegt sich. Jeder hat sein eigenes Ziel. Jeder ist irgendwo unterwegs.
Und mittendrin sitzt einer.
Der Meditierende
Die große Figur war dann noch einmal eine Geschichte für sich.
Zunächst war die Überlegung da, sie eher grafisch, vielleicht sogar silbrig und stärker in den vorhandenen Outlines zu belassen.
Aber irgendwann war klar: Nein.
Nach all den abstrahierten Figuren brauchte dieses Bild an seiner zentralen Stelle etwas anderes.
Eine Figur, die ein bisschen realistischer wirkt.
Die Haut bekam Farbe. Das Gesicht wurde Schicht für Schicht aufgebaut. Schatten kamen hinzu. Die Hände wurden dunkler, weil sie unterhalb des Gesichts weniger Licht bekommen. Die Kleidung entstand nicht mit einem deckenden Schwarz, sondern in mehreren dünnen Lasuren.
Und gerade diese Kleidung wurde für mich zu einer der schönsten Überraschungen des Bildes.
Sie ist schwarz – aber eben nicht einfach schwarz.
Grau, Schwarz, sichtbare Strukturen und darunterliegende Linien bleiben erhalten. Ein bisschen shabby, ein bisschen unfertig, ein bisschen lebendig.
Genau dadurch passt die Figur plötzlich ganz selbstverständlich in diese Stadt.
Auch der Mund wollte zunächst überhaupt nicht so, wie er sollte.
Am Ende bekam er nur einen sehr dezenten rosafarbenen Akzent.
Mehr brauchte es nicht.
Und dann: der rosa Elefant
Eigentlich war der Elefant zunächst deutlich größer gedacht.
Aber je näher das Bild seiner Vollendung kam, desto klarer wurde: Das wäre zu viel gewesen.
Der Elefant sollte nicht mit dem Meditierenden konkurrieren.
Er sollte einfach da sein.
Klein, rosa, ein wenig absurd – und auf den Meditierenden zulaufend.
Und dann bekam er für mich noch eine zweite Bedeutung.
Wer kennt es nicht: „Denken Sie jetzt nicht an einen rosa Elefanten.“ Und schon ist er da – mitten im Kopf. Der Versuch, einen Gedanken nicht zu denken, macht ihn oft erst recht präsent.
Vielleicht ist genau das ein schönes Bild für das Loslassen von Kontrolle.
Nicht gegen den Gedanken ankämpfen. Nicht versuchen, ihn wegzudrücken. Nicht alles kontrollieren wollen.
Den rosa Elefanten einfach kommen lassen.
Wahrnehmen. Da sein lassen. Und weiteratmen.
Damit bekam das Bild seinen letzten kleinen Störfaktor.
Oder vielleicht besser: seinen letzten kleinen Hinweis darauf, dass man nicht alles kontrollieren kann.
Denn wer erwartet schon einen rosa Elefanten auf einer nächtlichen Stadtstraße?
Was am Ende geblieben ist
Heute, nach all den Korrekturen, Übermalungen, Lasuren und kleinen Entscheidungen, wirkt das Bild erstaunlich geschlossen.
Vielleicht gerade deshalb, weil nicht alles nach Plan gelaufen ist.
Die Straße ist nicht vollkommen glatt.
Die Zebrastreifen haben ihre eigenen Spuren und Lichtreflexe.
Die Gebäude bleiben teilweise skizzenhaft.
Die Figuren sind unterschiedlich gestaltet.
Der Meditierende sitzt realistisch und gleichzeitig völlig selbstverständlich mitten in diesem urbanen Durcheinander.
Und irgendwo läuft ein kleiner rosa Elefant herum.
Dazu kommt noch ein kleines persönliches Detail: Auf dem Nummernschild des Porsche steht mein Logo mit 999.
Eine kleine Botschaft an mich selbst.
Vielleicht auch eine kleine Erinnerung daran, dass Wünsche, Ziele und Vorstellungen ihren Platz haben dürfen – aber eben nicht alles in unserer Hand liegt.
Denn genau darum geht es bei „Kontrolle loslassen“ für mich nicht darum, passiv zu werden oder alles dem Zufall zu überlassen.
Es geht vielmehr darum, zu akzeptieren, dass das Leben nicht vollständig steuerbar ist.
Man kann eine Straßenschlucht planen.
Man kann eine Perspektive festlegen.
Man kann einen Bus an die richtige Stelle setzen.
Und trotzdem kommt irgendwann der Moment, in dem man feststellt:
Das Bild macht jetzt selbst mit.
Dann bleibt nur noch, hinzuschauen.
Zu korrigieren, wenn etwas wirklich nicht funktioniert.
Loszulassen, wenn etwas anders wird als gedacht.
Und irgendwann zu sagen:
Jetzt ist es gut.
GALERIE: Das Bild Kontrolle loslassen
Es gibt wieder sehr viel zu entdecken auf den Fotos. Wie immer, freue ich mich über Feedback in den Kommentaren; danke im Voraus dafür.
Titelbild
Bild #30 Bild Kontrolle loslassen Titelbild an der Wand hängend
Bild Kontrolle loslassen Titelbild an der Wand hängend
Bild Kontrolle loslassen Titelbild an der Wand hängend von links aufgenommen
Bild Kontrolle loslassen Titelbild an der Wand hängend von links aufgenommen
Galerie der Detailausschnitte
Der Meditierende – Gesicht und Oberkörper
Der Meditierende – zwischen Bewegung, Stadt und innerer Ruhe.
Der Meditierende – Körper und Kleidung
Der Meditierende – Körper und Kleidung – schöner Kontrast zur Strasse und Zebrastreifen
Mittlere Bildhälfte rechts mit Paar, Frau und Porsche 911
Mittlere Bildhälfte rechts mit Paar, Frau und Porsche 911
Details Frau mit Rock und Handtasche und Wasserhydrant
Details Frau mit Rock und Handtasche und Wasserhydrant
Der Entstehungsprozess – Making of Galerie
Ich habe währed des Malens über 100 Fotos gemacht, die die Entwicklung des Bildes dokumentieren.
23 davon habe ich hier ausgewählt, die den Prozess der Entstehung ganz gut abbilden.
Viel Freude beim Betrachten.
Anlage des Bildes – zeichnen der Outlines für den Meditierenden und den Zebrastreifen
Anlage des Bildes – zeichnen der Outlines für den Meditierenden und den Zebrastreifen – Bild Kontrolle loslassen
Erste schwarze Farbe für die Strasse aufgetragen
Erste schwarze Farbe für die Strasse aufgetragen und den Hintergrund abgegrenzt
Malen der rechten Häuserfläche und dem Lichtstrahl
Malen der rechten Häuserfläche und dem Lichtstrahl
Malen der linken Häuserfläche und der Strasse
Malen der linken Häuserfläche und der Strasse mit Ultramarin-Streifen
Häuser ausmodelliert und Lichtreflexe auf die Strasse gebracht
Häuser ausmodelliert und Lichtreflexe auf die Strasse und den Zebrastreifen gebracht
Die Bürgersteige wurden links und rechts eingefügt
Die Bürgersteige wurden links und rechts eingefügt
Bäume, eine Parkbank, ein Mülleimer und Wasserhydranten skizziert
Bäume, eine Parkbank, ein Mülleimer und Wasserhydranten skizziert
Bäume abstrakt ausgemalt und bunte Lichtkugeln angelegt
Bäume abstrakt ausgemalt und bunte Lichtkugeln angelegt
Sieben Menschen in Outlines auf den Bürgersteigen skizziert
Sieben Menschen in Outlines auf den Bürgersteigen skizziert
Einen Porsche 911 gemalt – etwas realistischer als die Autos auf der linken Bildseite
Einen Porsche 911 gemalt – etwas realistischer als die Autos auf der linken Bildseite
Ein gelbes Taxi und die Outlines für einen Bus am Ende der Strasse gemalt
Ein gelbes Taxi und die Outlines für einen Bus am Ende der Strasse gemalt
Bus ausgemalt und das Ende der Bürgersteige neu gestaltet
Bus ausgemalt und das Ende der Bürgersteige neu gestaltet
Den Meditierenden im ersten Step ausgemalt – noch mit Bart
Den Meditierenden im ersten Step ausgemalt – noch mit Bart
Den Meditierenden in mehreren Schritten fertig gemalt – ohne Bart
Den Meditierenden in mehreren Schritten fertig gemalt – ohne Bart
Malen des rosa Elefanten – Schritt 1
Malen des rosa Elefanten – Schritt 1 – Outlines und Grundauftrag eines hellen Rosas
Malen des rosa Elefanten – Schritt 3
Malen des rosa Elefanten – Schritt 3 – Mund, Rüssel und Füsse mit Kontrastfarbe gemalt
Malen des rosa Elefanten – Schritt 5
Malen des rosa Elefanten – Schritt 5 – letzte Korrekturen – so kann er bleiben
Acryl Bild Kontrolle loslassen
Das Bild Kontrolle loslassen ist ein Acrylbild auf Leinwand im Format 80 × 50 cm.
Das Werk entstand im August und September 2026 an 24 Tagen und gehört zur Reihe Loslassen …
Tag(s):
Merlinori Werkzyklus: LOSLASSEN
https://merlinori.de/tag/merlinori-werkzyklus-loslassen/
Merlinori Essays · Werkzyklen
https://merlinori.de/tag/merlinori-essays-werkzyklen-essays-ueber-bewusstsein
Abstrakte Bilder
https://merlinori.de/tag/abstrakte-bilder/
Menschsein
https://merlinori.de/tag/menschsein/
Wahrnehmung
https://merlinori.de/tag/wahrnehmung/
Das dritte Bild der Reihe „Loslassen“
„Das Bild Kontrolle Loslassen“ ist das dritte Werk einer neuen Bildreihe.
In den kommenden Bildern werde ich mich weiter mit den Themen Kontrolle, Veränderung, Vertrauen, Übergänge, Abschied und Neubeginn beschäftigen.
Jedes Werk betrachtet dabei einen anderen Aspekt des Loslassens.
Wenn dich dieses Thema berührt und du tiefer eintauchen möchtest, findest du hier nach und nach weitere Bilder, Gedanken und Impulse zu dieser Reihe.
Denn manchmal beginnt Veränderung genau dort, wo wir bereit sind, etwas gehen zu lassen.
Links zu den vorherigen Essays und Bildern
Essay: Die Kunst des Loslassens (Teil 1)
Bild #25 Loslassen
Essay: Widerstand loslassen (Teil 2)
Bild #27 Widerstand loslassen
Dieses Original ist verfügbar.
Wenn dich dieses Werk berührt und du mehr darüber erfahren möchtest, freue ich mich über deine Nachricht.
Preise und weitere Informationen zu meinen Originalen findest du im Merlinori Kunstkatalog.
Dort erhältst du außerdem Einblicke in meine Werke, Gedanken und neue Entwicklungen aus meinem Atelier.
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In diesem Bild gibt es so viel zu entdecken! Bei jedem Betrachten fällt mir etwas Neues auf!
Ja, mir auch 😉 … Das Bild war echt eine Herausforderung. Ich glaube, dass ich 21 Tage daran gemalt habe. Kommt denn die Message des Bildes gut rüber? Ich hoffe, Du kannst es dir mal in Natura ansehen. Danke für dein Feedback.
Ich finde schon!
Freue mich auch, die ganzen Werke mal in Natura anzuschauen.