Was wäre, wenn eine Diät Lebensweise gar nichts mit Abnehmen zu tun hätte?
Manchmal begegnet uns ein Wort, das wir schon tausendmal gehört haben – und plötzlich hören wir es anders.
So ging es mir mit dem Wort Diät.
Heute denken die meisten Menschen dabei vermutlich an Kalorien, Verzicht, Abnehmen und den nächsten Versuch, ein paar Kilo loszuwerden. An Ernährungspläne, Verbote und die Hoffnung, diesmal endlich dauerhaft durchzuhalten.
Doch ursprünglich steckt in diesem Wort etwas ganz anderes.
Das griechische diaita bedeutete Lebensweise, Lebensführung. Erst im Laufe der Zeit wurde daraus immer stärker das, was wir heute unter einer Diät verstehen: eine bestimmte Ernährungsweise oder eine zeitlich begrenzte Einschränkung der Nahrung.
Und plötzlich bekommt das Wort eine ganz andere Bedeutung.
Was, wenn Diät Lebensführung bedeutet?
Vielleicht ist die eigentliche Frage nicht:
„Was darf ich essen?“
Sondern:
„Wie will ich leben?
Was führe ich meinem Körper zu?
Was führe ich meinem Kopf zu?
Welche Menschen lasse ich in mein Leben?
Welche Gedanken beschäftige ich?
Welche Bilder schaue ich mir an?
Welche Nachrichten konsumiere ich?
Welche Gespräche führe ich?
Womit verbringe ich meine Zeit?
Und was davon tut mir eigentlich gut?
Wenn Diät ursprünglich Lebensführung bedeutet, dann besteht unsere persönliche Diät vielleicht aus sehr viel mehr als aus Essen.
Wir ernähren uns auch von unserer Umgebung.
Von Worten.
Von Beziehungen.
Von Aufmerksamkeit.
Von Musik.
Von Natur.
Von Kunst.
Von dem, was wir täglich sehen und hören.
Und vielleicht auch von dem, was wir uns selbst erzählen.
Der Jojo-Effekt des Lebens
Beim klassischen Verständnis einer Diät kennen wir den Jojo-Effekt.
Man nimmt sich etwas vor.
Man verändert sein Verhalten.
Vielleicht funktioniert es eine Zeit lang sogar ziemlich gut.
Doch irgendwann wird die Anstrengung zu groß. Die alten Gewohnheiten kehren zurück – und mit ihnen häufig auch das alte Gewicht.
Warum?
Vielleicht, weil eine vorübergehende Veränderung noch keine neue Lebensweise ist.
Man kann sich eine Zeit lang zwingen, anders zu leben.
Aber irgendwann kehrt man meistens dorthin zurück, wo man sich auskennt.
Das gilt nicht nur für Ernährung.
Wir kennen diesen Mechanismus auch aus anderen Bereichen unseres Lebens.
Wir nehmen uns vor, weniger zu arbeiten.
Wir wollen mehr Zeit für uns haben.
Wir wollen weniger am Handy sein.
Wir wollen uns nicht mehr über jeden Unsinn aufregen.
Wir wollen mehr rausgehen.
Mehr lesen.
Mehr malen.
Mehr lachen.
Mehr leben.
Und dann kommt der Alltag.
Und plötzlich ist alles wieder wie vorher.
Vielleicht ist das kein Zeichen dafür, dass wir zu wenig Disziplin haben.
Vielleicht haben wir nur versucht, unser Verhalten zu verändern, ohne unsere Lebensweise zu verändern.
Was nehme ich täglich zu mir?
Diese Frage gefällt mir.
Denn sie lässt sich auf einmal ganz anders stellen.
Nicht nur:
Was esse ich?
Sondern:
Was nehme ich in mein Leben auf?
Vielleicht gibt es Dinge, bei denen wir eine ganz persönliche Diät gebrauchen könnten.
Eine Nachrichtendiät.
Eine Social-Media-Diät.
Eine Negativitätsdiät.
Eine Aufregungsdiät.
Eine Vergleichsdiät.
Eine „Ich muss es allen recht machen“-Diät.
Und vielleicht auch eine Diät von Dingen, die uns ständig erzählen wollen, wie wir zu sein haben.
Weniger davon.
Nicht aus Verzicht.
Sondern aus Bewusstsein.
Denn weniger kann manchmal mehr sein.
Nicht weil weniger grundsätzlich besser wäre.
Sondern weil wir dadurch wieder Platz bekommen.
Für das, was uns wirklich wichtig ist.
Lebensführung ist eine Entscheidung
Eine Lebensweise entsteht nicht an einem einzigen großen Tag.
Sie entsteht aus vielen kleinen Entscheidungen.
Aus dem, was wir täglich tun.
Und vielleicht noch viel mehr aus dem, was wir täglich nicht mehr tun.
Das kann bedeuten, eine Beziehung loszulassen.
Eine Gewohnheit.
Eine Erwartung.
Eine Angst.
Einen Gedanken, der uns schon seit Jahren begleitet.
Oder die Vorstellung, dass unser Leben irgendwann anfangen wird, sobald endlich alles so ist, wie wir es gerne hätten.
Vielleicht beginnt Lebensführung genau dort:
bei der Entscheidung, das eigene Leben nicht nur geschehen zu lassen, sondern es bewusst wahrzunehmen.
Welche Diät braucht dein Leben?
Vielleicht sollten wir das Wort Diät wieder etwas größer denken: Als die Diät Lebensweise.
Nicht als Strafe.
Nicht als Verzicht.
Nicht als kurzfristiges Programm.
Sondern als Frage:
Wie möchte ich eigentlich leben?
Was soll mehr werden?
Was darf weniger werden?
Was gibt mir Energie?
Was nimmt mir Energie?
Was möchte ich nähren?
Und was darf ich endlich loslassen?
Vielleicht ist eine gute Diät am Ende gar keine Diät.
Vielleicht ist sie eine bewusste Entscheidung für eine Lebensweise, die zu uns passt.
Eine Lebensweise, die nicht irgendwann endet, weil das Ziel erreicht ist.
Sondern eine, die selbst zum Weg wird.
Denn wenn Diät ursprünglich Lebensführung bedeutet, dann tragen wir alle bereits eine in uns.
Die entscheidende Frage ist nur:
Ist es die, die wir gewählt haben?
Oder ist es einfach die, in die wir hineingerutscht sind?
Was ist dein Gedanke zum Thema „Diät Lebensweise“
Ich freue mich über einen Kommentar oder eine persönliche Nachricht per E-Mail.

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