Rufino Tamayo Kunstzitat – Die Freiheit, eigene Wege zu gehen

Das Rufino Tamayo Kunstzitat erinnert uns daran, dass künstlerische Freiheit dort beginnt, wo wir aufhören, nur nach dem einen richtigen Weg zu suchen. Denn Kunst lebt von unterschiedlichen Sichtweisen, persönlichen Erfahrungen und dem Mut, etwas Eigenes entstehen zu lassen.

Es gibt Menschen, die in der Kunst nach Regeln suchen. Nach einer bestimmten Technik, einer anerkannten Stilrichtung oder einer Vorstellung davon, wie ein gutes Kunstwerk auszusehen hat.

Und es gibt Menschen, die ihren eigenen Weg gehen. Sie greifen Bekanntes auf, verändern es, verbinden unterschiedliche Einflüsse und entwickeln daraus eine ganz persönliche Bildsprache.

Wer hat recht?

Vielleicht führt uns bereits diese Frage in die falsche Richtung. Denn wenn Kunst etwas mit Freiheit zu tun hat, kann es nicht darum gehen, einen einzigen Weg für alle verbindlich zu machen.

Der mexikanische Künstler Rufino Tamayo hat diesen Gedanken in einer bemerkenswerten Aussage auf den Punkt gebracht.

Das Kunstzitat von Rufino Tamayo

„Das Grundlegende in der Kunst ist die Freiheit! In der Kunst gibt es Millionen von Wegen – so viele Wege, wie es Künstler gibt.“

— Rufino Tamayo

(Deutsche Übersetzung einer überlieferten englischen Fassung.)

Tamayo wandte sich damit gegen die Vorstellung, es könne in der Kunst nur einen einzigen gültigen Weg geben. Seine Aussage entstand im Zusammenhang mit einer Auseinandersetzung über künstlerische Richtungen und die Frage, welchen Weg Kunst einschlagen sollte.

Der Gedanke ist bis heute aktuell: Kunst lässt sich nicht auf eine einzige Methode, einen bestimmten Stil oder eine verbindliche Vorstellung reduzieren.

Jeder Mensch bringt eigene Erfahrungen, Wahrnehmungen und Fragen mit. Daraus können sehr unterschiedliche Formen des künstlerischen Ausdrucks entstehen.

Und genau darin liegt eine besondere Stärke der Kunst.

Wer war Rufino Tamayo?

Rufino Tamayo wurde 1899 in Oaxaca, Mexiko, geboren und starb 1991 in Mexiko-Stadt. Er gehörte zu den bedeutenden mexikanischen Künstlern des 20. Jahrhunderts.

Seine künstlerische Entwicklung war von unterschiedlichen Einflüssen geprägt. Neben der mexikanischen und präkolumbischen Kunst beschäftigte er sich mit europäischen Strömungen der Moderne. Dazu gehörten unter anderem Einflüsse von Henri Matisse, Georges Braque und Pablo Picasso.

Doch Tamayo übernahm diese Einflüsse nicht einfach. Er entwickelte daraus eine eigenständige Bildsprache, die für ihre intensive Farbigkeit, vereinfachten Formen und häufig abstrahierten Figuren bekannt wurde.

Damit ging er einen anderen Weg als jene Künstler, die eine bestimmte politische oder künstlerische Richtung als verbindlich betrachteten.

Seine Haltung zur Freiheit in der Kunst war deshalb nicht nur eine theoretische Überzeugung. Sie spiegelte sich auch in seinem eigenen künstlerischen Schaffen wider.

Quellen zur Biografie: Smithsonian American Art Museum und Solomon R. Guggenheim Museum. Siehe weiter unten.

Die Freiheit, anders zu sein

Wir Menschen orientieren uns gern an dem, was wir kennen.

Wir lernen Regeln, übernehmen Vorstellungen und entwickeln mit der Zeit ein Gefühl dafür, was als richtig, schön oder gelungen gilt. Das ist zunächst nichts Schlechtes. Regeln und Erfahrungen können uns helfen, uns in einer komplexen Welt zurechtzufinden.

Doch manchmal werden aus hilfreichen Orientierungspunkten feste Grenzen.

Dann glauben wir, etwas auf eine bestimmte Weise tun zu müssen, weil es schon immer so gemacht wurde. Wir vergleichen uns mit anderen und fragen uns, ob unser eigener Weg überhaupt richtig sein kann.

Auch in der Kunst begegnet uns diese Haltung.

Ein Bild soll einer bestimmten Stilrichtung entsprechen. Eine Technik gilt als besonders anspruchsvoll. Eine bestimmte Art zu malen wird als zeitgemäß angesehen, eine andere als überholt.

Doch was geschieht mit der Kunst, wenn wir nur noch versuchen, bestehenden Erwartungen zu entsprechen?

Vielleicht geht dabei gerade das verloren, was sie so interessant macht: die Möglichkeit, etwas zu entdecken, das vorher noch nicht da war.

Künstlerische Freiheit bedeutet nicht, dass alles beliebig ist oder handwerkliches Können keine Rolle spielt. Sie bedeutet vielmehr, dass wir uns nicht von vornherein auf eine einzige Möglichkeit festlegen müssen.

Wir dürfen ausprobieren, verwerfen, verändern und neu beginnen.

Wir dürfen uns inspirieren lassen, ohne jemanden kopieren zu müssen.

Und wir dürfen einen Weg einschlagen, dessen Ziel wir noch gar nicht vollständig kennen.

So viele Wege, wie es Künstler gibt

Jeder Mensch sieht die Welt auf seine eigene Weise.

Unsere Erfahrungen, unsere Erinnerungen und unsere Aufmerksamkeit beeinflussen, was uns auffällt und welche Bedeutung wir den Dingen geben.

Das gilt auch für die Kunst.

Ein Künstler entdeckt in einer Landschaft vor allem das Licht. Eine andere interessiert sich für die Struktur der Oberfläche. Jemand arbeitet mit realistischen Darstellungen, während ein anderer Formen auflöst, Flächen übereinanderschichtet oder Farben unabhängig vom Gegenstand einsetzt.

Manche Bilder entstehen aus einer genauen Planung. Andere entwickeln sich erst während des Malens.

Und wieder andere verbinden unterschiedliche Techniken und Materialien miteinander.

Keine dieser Herangehensweisen muss grundsätzlich der anderen überlegen sein. Entscheidend ist, was ein Künstler damit ausdrücken möchte und welche Wirkung dabei entsteht.

Vielleicht liegt gerade darin die Bedeutung von Tamayos Aussage: Die Vielfalt der Kunst entsteht nicht trotz der unterschiedlichen Wege, sondern durch sie.

Wenn jeder Künstler dieselben Vorstellungen verfolgen und dieselben Lösungen verwenden würde, wäre die Welt der Kunst um viele Möglichkeiten ärmer.

Es gibt nicht nur einen Weg, etwas sichtbar zu machen. Manchmal entsteht das Neue gerade dort, wo jemand anders hinsieht.

Der eigene Weg beginnt mit einer Entscheidung

Einen eigenen künstlerischen Weg zu finden, bedeutet nicht unbedingt, alles anders machen zu müssen.

Wir können uns mit anderen Künstlern beschäftigen, ihre Werke studieren und von ihren Erfahrungen lernen. Wir können Techniken übernehmen, Materialien ausprobieren und uns von bestimmten Bildsprachen inspirieren lassen.

All das gehört zum kreativen Prozess.

Die entscheidende Frage ist, was wir daraus machen.

Bleiben wir bei dem, was wir bereits kennen? Oder erlauben wir uns, die gewonnenen Erfahrungen weiterzuentwickeln?

Manchmal genügt eine kleine Veränderung. Eine Farbe wird anders eingesetzt. Eine vertraute Form erhält eine neue Bedeutung. Eine Technik wird mit einem Material verbunden, das wir bisher noch nicht verwendet haben.

Aus solchen Entscheidungen kann nach und nach etwas Eigenständiges entstehen.

Der eigene Weg muss also nicht von Anfang an vollkommen neu sein. Er entwickelt sich häufig aus dem, was wir bereits gelernt und erlebt haben.

Wir entdecken unsere eigene Handschrift nicht unbedingt dadurch, dass wir sie gezielt erzwingen. Sie kann sich vielmehr aus vielen Entscheidungen, Versuchen und Erfahrungen herausbilden.

Und manchmal erkennen wir erst rückblickend, wie sehr sich unser Weg von dem unterscheidet, mit dem wir einmal begonnen haben.

Freiheit braucht nicht immer einen Plan

Beim Malen erlebe ich, wie sich eine erste Vorstellung im Verlauf der Arbeit verändern kann.

Am Anfang steht vielleicht eine bestimmte Komposition. Ich überlege, welche Farben zusammenpassen, welche Flächen entstehen sollen und wo Kontraste gesetzt werden könnten.

Doch sobald Farbe auf die Leinwand kommt, beginnt ein Dialog.

Eine Fläche wirkt anders als erwartet. Eine Spachtelbewegung hinterlässt eine interessante Struktur. Zwei Farben begegnen sich auf eine Weise, die ich nicht vollständig vorausgesehen habe.

Plötzlich entsteht eine neue Möglichkeit.

Ich kann an meinem ursprünglichen Plan festhalten. Oder ich kann innehalten, genauer hinsehen und mich fragen, ob die unerwartete Entwicklung das Bild vielleicht sogar weiterbringt.

Manchmal ist es richtig, etwas zu korrigieren. Manchmal muss eine Fläche verschwinden. Und manchmal lohnt es sich, einer zufällig entstandenen Form Raum zu geben.

Dabei geht es nicht darum, jede spontane Veränderung automatisch für gelungen zu halten. Auch Freiheit braucht Aufmerksamkeit und Entscheidungen.

Aber nicht alles muss von Anfang an feststehen.

Manchmal finden wir unseren Weg nicht, indem wir jeden Schritt planen, sondern indem wir aufmerksam bleiben für das, was unterwegs entsteht.

Das gilt nicht nur für die Malerei. Auch beim Schreiben, beim Entwickeln neuer Ideen oder beim Lösen eines Problems können sich Möglichkeiten erst zeigen, wenn wir beginnen.

Der erste Schritt muss nicht die ganze Richtung vorgeben.

Kunst muss nicht allen gefallen

Wer einen eigenen Weg geht, wird nicht immer auf Zustimmung stoßen.

Das gilt besonders dann, wenn eine Arbeit Erwartungen durchbricht oder vertraute Sehgewohnheiten infrage stellt.

Was für den einen ausdrucksstark ist, wirkt auf jemand anderen vielleicht unruhig. Was eine Person als mutige Veränderung empfindet, erscheint einer anderen als unnötiger Bruch mit dem Bekannten.

Solche Unterschiede gehören zur Kunst.

Ein Kunstwerk kann Menschen berühren, irritieren, begeistern oder ratlos zurücklassen. Nicht jeder muss dieselbe Reaktion zeigen. Und nicht jede Arbeit muss jedem gefallen.

Natürlich dürfen wir uns mit Kritik auseinandersetzen. Ein anderer Blick kann uns auf etwas aufmerksam machen, das wir selbst noch nicht gesehen haben. Rückmeldungen können uns helfen, unsere Entscheidungen zu überprüfen und unsere Arbeit weiterzuentwickeln.

Doch Kritik muss nicht bedeuten, den eigenen Weg aufzugeben.

Wir dürfen zuhören, nachdenken und trotzdem zu einer anderen Entscheidung kommen.

Künstlerische Freiheit zeigt sich auch darin, dass wir Verantwortung für unsere eigene Arbeit übernehmen. Wir können erklären, warum wir etwas geschaffen haben, ohne uns für jede Abweichung von einer Erwartung rechtfertigen zu müssen.

Vielleicht liegt genau darin eine besondere Form der Unabhängigkeit: offen für andere Perspektiven zu bleiben, ohne die eigene Wahrnehmung vollständig von ihnen bestimmen zu lassen.

Ein Gedanke, der über die Kunst hinausgeht

Tamayos Aussage lässt sich auch auf unser Leben übertragen.

Wie oft glauben wir, es gebe nur einen richtigen Weg? Den richtigen Beruf, die richtige Lebensform, den richtigen Zeitpunkt für eine Veränderung oder eine bestimmte Vorstellung davon, wie Erfolg auszusehen hat?

Wir vergleichen unsere Entscheidungen mit denen anderer Menschen und fragen uns, ob wir hinterherhinken oder etwas falsch gemacht haben.

Dabei beginnen Menschen unter unterschiedlichen Voraussetzungen. Sie bringen verschiedene Erfahrungen mit, verfolgen unterschiedliche Ziele und finden ihre Antworten nicht zur selben Zeit.

Was für einen Menschen richtig ist, muss für einen anderen nicht passen.

Das bedeutet nicht, dass jede Entscheidung automatisch sinnvoll ist. Wir können uns irren, aus Erfahrungen lernen und unsere Richtung ändern.

Aber wir müssen unser Leben nicht nach einem einzigen vorgegebenen Muster gestalten.

Vielleicht dürfen wir uns öfter fragen, ob wir etwas wirklich wollen oder ob wir lediglich glauben, es tun zu müssen.

Welche Möglichkeiten haben wir noch nicht betrachtet?

Was würden wir ausprobieren, wenn wir uns weniger mit anderen vergleichen würden?

Und welchen eigenen Weg könnten wir einschlagen, wenn wir uns erlaubten, nicht schon alle Antworten zu kennen?

Solche Fragen führen nicht unbedingt sofort zu einer Entscheidung. Doch sie können unseren Blick erweitern.

Denn manchmal ist die erste neue Möglichkeit nicht etwas, das wir entdecken, sondern etwas, das wir uns endlich erlauben.

Ein Gedanke zum Mitnehmen

Die Kunst zeigt uns, wie unterschiedlich Menschen ihre Erfahrungen, Gedanken und Wahrnehmungen ausdrücken können.

Manche Wege sind vertraut. Andere wirken ungewöhnlich. Einige führen zu klaren Formen, andere in offene, abstrakte Bildwelten.

Es muss nicht darum gehen, den einen besten Weg zu finden.

Vielleicht besteht die größere Aufgabe darin, herauszufinden, welcher Weg zu uns passt – und offen dafür zu bleiben, dass er sich verändern darf.

Rufino Tamayos Gedanke erinnert uns daran, dass Freiheit und Vielfalt zusammengehören. Die Kunst wird nicht dadurch reicher, dass alle dasselbe tun, sondern dadurch, dass Menschen ihre unterschiedlichen Möglichkeiten entdecken und verwirklichen.

Es gibt Millionen von Wegen. Welchen wir wählen, beginnt mit der Freiheit, überhaupt einen eigenen gehen zu dürfen.

Das Rufino Tamayo Kunstzitat  Weiterdenken

Muss Kunst für dich Regeln folgen, oder beginnt sie gerade dort, wo wir sie hinter uns lassen?

Und wie ist das in deinem eigenen Leben? Gibt es einen Weg, den du gern gehen würdest, für den du dir bisher aber noch nicht genügend Freiheit zugestanden hast?

Vielleicht lohnt es sich, diese Fragen nicht sofort zu beantworten, sondern ihnen ein wenig Raum zu geben.

Denn manchmal beginnt ein neuer Weg mit einem Gedanken, den wir zuvor noch nicht zugelassen haben.

Ich freue mich über deine Gedanken in den Kommentaren weiter unten oder über eine persönliche Nachricht per E-Mail.

Quellenhinweise zur Veröffentlichung zum Rufino Tamayo Kunstzitat

Die biografischen Angaben im Beitrag lassen sich durch diese Museumseinträge stützen:

  • Smithsonian American Art Museum – Rufino Tamayo
  • Solomon R. Guggenheim Museum – Rufino Tamayo

Die Zitatfassung beruht auf der englischen Formulierung: “The fundamental thing in art is freedom! In art, there are millions of paths—as many paths as there are artists.” Eine entsprechende Wiedergabe findet sich in kunstbezogenen Quellen und in einem Lehrbuchauszug. Quelle / Link

Florida State University Museum of Fine Arts: Ein Museumstext zu einer Tamayo-Lithografie führt die Aussage ebenfalls als Künstlerzitat an. Quelle / Link

MLA Gallery: Der Beitrag Rufino Tamayo obit – the passing of a great Latin Master gibt die englische Aussage wieder und ordnet sie einem Interview mit Tamayo aus dem Jahr 1981 zu. Quelle / Link

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